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Die Rohrpost – das steckt dahinter


Marvin Weinmeyer
9. September 2021
Krankenhaus
Lesezeit: 6 Minuten
App auswählen, eine kurze Nachricht verfassen, absenden und fast zeitgleich kommt die Nachricht bei unserem gewünschten Empfänger an. Was wir heute innerhalb von Sekunden übermitteln können, dauerte bis zum 19. Jahrhundert je nach Entfernung zwischen Sender und Empfänger mehrere Tage oder sogar Wochen. Lange Übermittlungszeiten von Nachrichten sind heute durch die Digitalisierung obsolet. Die Rohrpost, welche ab den 1850er Jahren noch postalische Korrespondenzen übermittelte, ist heute immer noch, wenn auch mit vielen technologischen Neuerungen, ein fester Bestandteil, insbesondere in systemkritischen Bereichen unserer Gesellschaft.
Rohrpost

Die Kurznachricht per Druckluft

Die Geschichte der Rohrpost geht bis in die 1850er Jahre zurück. Die erste funktionierende Anlage wurde vom Ingenieur Josiah Latimer Clark gebaut und ging 1853 im Londoner Telegrafenamt in Betrieb. Briefe, Telegramme oder auch Pakete konnten so in zylinderförmigen Behältern durch die Rohre versendet werden. Verkürzte Wege für einen schnellen Transport waren geschaffen. Farbige Markierung kennzeichneten zudem die verschiedenen Sendungen.

Gerade für die Börse war es zu dieser Zeit ein wichtiges und vor allem schnelles Kommunikationsmittel – denn wurden Nachrichten nicht zum richtigen Zeitpunkt überbracht, verloren Spekulanten schnell an Vermögen. Aber auch im Einzelhandel, in Banken, in der Chemie- oder in der Automobilindustrie wurde die Rohrpost zunehmend eingesetzt – meist um Produktionsproben an Labore zu übermitteln. So konnte ein hoher Qualitätsstandard sichergestellt werden.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhundert etablierte sich neben London auch in anderen Städten das Luftsystem. Am längsten wurden Postsendungen im Prager Rohrnetz verschickt, welches bis 2002 im Einsatz war. Doch der Transport durch den Untergrund stellte sich über die Jahre hinweg als zunehmend schwieriger dar. Immer mehr Störungen traten auf, einzelne Rohrabschnitte verschoben sich teilweise im Untergrund und Wartungsarbeiten wurden erschwert.

Heute wird das System meist für die schnelle und zuverlässige Intralogistik eingesetzt. Mit dem gleichen Ziel wie bereits in der Vergangenheit: einen schnellen, zuverlässigen und sicheren Transport, mit welcher Distanzen überwunden werden können, zu schaffen.

 

Wie funktioniert die Rohrpost?

Das Prinzip einer Rohrpost hat sich seit der Entwicklung vor vielen Jahren nicht verändert: jede Anlage wird mit Luft betrieben. Die Basis eines jeden Systems bilden ein oder mehrere Luftverdichter und ein Netzwerk aus verschiedenen Fahrrohren. Soll eine Büchse mehrere Stockwerke nach oben befördert werden, wird Druckluft benötigt. Um einen Behälter in einem Gebäude wiederum nach unten zu transportieren, wird dieser mithilfe von Luft angesogen. Der horizontale Transport funktioniert, je nach Anlagenspezifikation, sowohl mit Druckluft als auch per Sog. Die Software der Rohrpost übermittelt dabei die Informationen, auf welchen Ebenen sich die einzelnen Rohrpoststationen befinden und wo die einzelnen Behälter hin transportiert werden müssen.

Die meisten Anlagen, die mit einem Luftverdichter betrieben werden, verwenden Luftweichen. Diese befinden sich meist oberhalb des Verdichters und regulieren, ob die Behälter in einer Rohrpost mit Druckluft oder per Sog befördert werden. Die Luftweichen sind somit dafür zuständig, dass ein Luftverdichter von Druck auf Sog wechselt und umgekehrt.

Damit die richtige Station angesteuert wird, befinden sich in den einzelnen Fahrrohren mehrere Weichen. Sobald ein Behälter in eine andere Abzweigung des Rohrs geleitet werden soll, wird diese Information über die Software der Rohrpost übermittelt. Mithilfe von Frequenzumrichtern am Gebläse wird zudem vermieden, dass Behälter mit zu hoher Geschwindigkeit transportiert werden. Sie verlangsamen die Fahrten innerhalb des Rohrpostnetzes, wodurch verhindert wird, dass die Büchse und ihr Inhalt beschädigt werden.

Große Rohrpostanlagen, die sich über mehrere Gebäude und Stockwerke erstrecken benötigen meist mehrere Transportlinien und Gebläse. Die Transportlinien funktionieren hierbei ähnlich wie verschiedene Strecken eines U-Bahn-Netzwerkes. Einzelne Behälter müssen oftmals die Linien wechseln, um ihr Ziel zu erreichen. Mittels Überfahrtabschnitten wird eine Möglichkeit geschaffen eine Linie zu verlassen, um auf einer anderen weiterzufahren. Diese Kompaktüberfahrt ermöglicht einen automatischen Büchsenaustausch zwischen mehreren Linien.

Die Reinigung der Luft innerhalb eines Rohrpostsystems übernehmen spezielle Partikelfilter. Sie dienen zur Verbesserung der zum Transport der Rohrpostbüchsen verwendeten Luft. Mikroskopisch kleine Partikel wie Staub oder Pollen werden so aus den Fahrrohren entfernt.

 

Die Rohrpost in Krankenhäusern

Gerade in Krankenhäusern spielt die Rohrpost bis heute eine wichtige Rolle. Obwohl in vielen medizinischen Bereichen modernste Technologien eingesetzt werden, bewältigt die altbewährte Funktionsweise der Rohrpost noch immer einen Großteil der kritischen intralogistischen Transportwege in Kliniken. Die Qualität des Warentransportes ist von immenser Bedeutung, da fehlgelieferte Güter oder ein unsachgemäßer Umgang während des Transports negative Auswirkungen für die logistischen Abläufe, die Personaleffizienz und die Patientenversorgung mit sich bringen.

Das Rohrpostsystem verbindet idealerweise sämtliche Stationen, Operationssäle und Abteilungen mit dem Labor und der Zentralapotheke eines Krankenhauses. Es verkürzt Lieferzeiten bedeutend und übernimmt zwei der wichtigsten Materialflüsse im Krankenhaus – Diagnostik und Therapie.

 

Vor allem in Bezug auf den Transport von medizinischen Gütern, insbesondere Blutproben, können bestimmte Eigenschaften, wie die Geschwindigkeit, die zurückgelegte Entfernung oder das Verpackungsmaterial den Zustand dieser beeinflussen. In Studien konnte jedoch festgestellt werden, dass es z.B. bei hämolysierenden Proben zu keinem statistischen Unterschied kommt, wenn sie per Rohrpostsystem anstelle manueller Transporte befördert werden. Zudem bietet ein automatisierter Transport eine hohe Prozess- und Patientensicherheit.

Gleichzeitig erleichtert die Rohrpost den Alltag des klinischen Personals, da Botengänge vermieden werden und somit Ressourcen für therapienahe Leistungen eingesetzt werden können. Auch die ständige Verfügbarkeit des Systems, 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche, trägt zu reibungslosen, effizienteren und schnelleren Versorgungen bei.

Das Resultat: Testergebnisse werden schneller bereitgestellt und es bleibt mehr Zeit für die Behandlung von Patienten. Die Rohrpost ist somit das logistische Rückgrat der Patiententherapie, weswegen der regelmäßigen Wartung und kontinuierlichen Modernisierung der Anlage ein hoher Stellenwert zukommt. Insbesondere ist hierbei die Aktualität der Software essenziell. Zuweilen sollten aber auch weiterführende Erneuerungen des Systems getätigt werden, um sicherzustellen das Weichen, Stationen und Überfahrten dem technologischen Standard entsprechen. Nur so können zukunftssichere, zuverlässige und sichere Abläufe im Krankenhausbetrieb gewährleistet werden.

Die Rohrpost setzt internationale Standards im Bereich Medikations- und Laborprobentransport sowie in der Krankenhauslogistik. Derzeit nutzen über 3.000 Gesundheitseinrichtungen weltweit unsere Rohrposttechnologien.

Die Vorteile der Rohrpost auf einen Blick

  • Schneller und sicherer Transport
  • Verringertes Risiko von Kontaminationen
  • Ressourcenschonend
  • Effizienzsteigerung
  • Entlastung des medizinischen Personals
  • Mehr Zeit für Patienten

TranspoNet Rohrpostsystem

Das integrierte Rohrpostsystem TranspoNet ist eine vollumfängliche Automatisierungslösung für den Transport in Krankenhäusern. Verschiedene Stationstypen können je nach den individuellen Anwendungsanforderungen einer Klinik eingesetzt werden, um Behälter zu versenden und zu empfangen.

Automatisiert man den Be- und Entladevorgang von Laborproben vollständig, kann die Effizienz in Laboren so um bis zu 50 % gesteigert werden. Diese Rohrpoststationen empfangen und entladen den Inhalt eines Behälters und geben diesen automatisch wieder zurück ins System. So wird sichergestellt, dass die Büchsen immer dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Je nach Transportgut setzen Krankenhäuser unterschiedliche Rohrpostbehälter ein. Neben Standardbüchsen sorgen beispielsweise auslaufsichere Behälter für zusätzlichen Transportschutz bei flüssigen Gütern. Für Probengläschen stehen spezielle Schaumstoff-Einsätze für die Behälter zur Verfügung, um Transportschäden vorzubeugen. Um Fahrrohre von Bakterien oder Viren zu befreien wird ein sogenannter HEPA-Filter eingesetzt.

 

Eine der größten TranspoNet Rohrpostanlagen von Swisslog Healthcare ist im Klinikum rechts der Isar in München im Einsatz. Das System besteht aus über 200 Stationen. Insgesamt sind 1.300 Büchsen im Einsatz. So können pro Werktag durchschnittlich 3.300 Transporte erfolgen.

In Rotterdam befindet sich im Erasmus University Medical Center ein weiteres großes System. Die Anlage erstreckt sich dort über eine Länge von 16 Kilometer und transportiert an Werktagen stündlich ca. 400 Büchsen durch die Fahrrohre.

Möchten Sie mehr über die Implementierung oder Modernisierung unsere Rohrpost TranspoNet erfahren? Unsere Experten stehen jederzeit für Ihre Fragen zur Verfügung – kontaktieren Sie uns.

 

Hier schreibt:
Marvin Weinmeyer, der als Head of Customer Care DACH für den Kundenservice und die Projektrealisierung in Deutschland und der Schweiz verantwortlich ist.
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